Phongsavath Manithong, 22 Jahre

Laos 2014

Von 1964 bis 1973 fliegt die US-Luftwaffe mehr als eine halbe Million Angriffe auf Laos. Über zwei Millionen Tonnen abgeworfener Bomben pflügen ganze Landstriche buchstäblich um. Laos ist, pro Kopf gemessen, das am stärksten von Bomben getroffene Land der Welt. 80 Millionen Blindgänger sind bis heute nicht entschärft – sie töten und verstümmeln noch immer Menschen. Phongsavath Manithong verliert bei einer Explosion als Teenager beide Hände und sein Augenlicht.

Phongsavath Manithong kämpft als Mitglied der „Ban Advocates“ von Handicap International für die universelle Ächtung von Streubomben. 2008 reißt ihm eine Explosion beide Hände ab und raubt ihm das Augenlicht. Der Teenager war in seinem Heimatdorf auf dem Weg zur Schule, als ein Freund eine merkwürdige Eisenkugel fand. Ein Streubomben-Blindgänger aus Zeiten des Vietnam-Kriegs. Laos ist, pro Kopf gemessen, das am stärksten von Bomben getroffene Land der Welt.

Weil Phongsavath Manithong Geburtstag hatte, drückte der Freund ihm die interessante Kugel als Geschenk in die Hand. Wut auf jene, die die Bomben geworfen haben, hat Phongsavath Manithong nicht. Vielleicht liegt es daran, dass er den Krieg nicht miterlebt hat. Vielleicht auch, weil er ein junger Mann ist, der von der großen Liebe träumt. Von einer Zukunft, die diesen Namen verdient. „Ich will die Menschen fröhlich machen“, sagt der heute 22-Jährige und erzählt von seinen Erfolgen als Hiphop-Tänzer, von einem Auftritt vor tausend Menschen bei einer internationalen Konferenz, als er seine eigene Geschichte tanzt, um auf die Gefahren durch Streubomben hinzuweisen. Rund 80 Millionen Blindgänger stecken noch im Boden seines Heimatlandes. „Ich konnte es am Applaus hören. Ich hatte das Publikum wirklich bewegt. Es war ein gutes Gefühl“, sagt er.

Zurzeit arbeitet der 22-Jährige an einer eigenen CD. „Please Tell Me“ lautet sein persönlicher Hit. Kein Lied über die Schrecken von Bombenexplosionen, sondern ein Liebeslied. „Vielleicht hört ja eines Tages das richtige Mädchen zu“, hofft er. Doch vom Tanzen und Singen wird er nicht leben können. Da macht er sich keine Illusionen. „Am liebsten würde ich Wirtschaft studieren. Mein eigenes kleines Geschäft aufmachen. Vielleicht mit einem Freund“, sagt er. Es klingt nach einem fernen Traum.

„Ich konnte es am Applaus hören. Ich hatte das Publikum wirklich bewegt. Es war ein gutes Gefühl.“

Die ganze Geschichte und mehr Fotos finden Sie auch auf Spiegel Online.

So unterstützt Handicap International

Laos ist, pro Kopf gemessen, das am stärksten von Bomben getroffene Land der Welt. 80 Millionen Blindgänger sind bis heute nicht entschärft – sie töten und verstümmeln noch immer Menschen. Explosivwaffen (Granaten, Raketen, improvisierte Sprengsätze und Streubomben usw.) töten und verstümmeln. Über 90 Prozent der Opfer stammen aus der Zivilbevölkerung – und das, obwohl der Einsatz von Explosivwaffen in bevölkerten Gebieten (EWIPA) durch das Völkerrecht verboten ist. Handicap International setzt sich dafür ein, dass das Völkerrecht und der besondere Schutz, unter dem die Zivilbevölkerung steht, mehr geachtet wird und die Betroffenen der explosiven Kriegsreste unterstützt werden.
Zusammen mit INEW beteiligten wir uns aktiv an dem diplomatischen Prozess zur Ausarbeitung einer politischen Erklärung, die dem besseren Schutz der Zivilbevölkerung vor dem Einsatz von Explosivwaffen in bevölkerten Gebieten dienen soll. Der Text der politischen Erklärung, der seit 17. Juni 2022 in seiner finalen Version vorliegt, beinhaltet auch wesentliche Forderungen von HI und INEW. So werden die humanitären Auswirkungen von Explosivwaffen erstmals anerkannt und klare Verpflichtungen für die Staaten zur Opferhilfe, zur Räumung von Kampfmittelrückständen und zur Risikoaufklärung genannt.

Der Blindgänger einer Streubombe reißt Phongsavath auf dem Schulweg beide Hände ab. Streubomben sind Behälter, die viele kleine Geschosse über eine breite Fläche verteilen. Sie können vom Boden abgeschossen oder aus der Luft abgeworfen werden. Beim Aufprall explodieren oft nicht alle Geschosse und bleiben als Blindgänger liegen. Diese können nicht zwischen militärischen und zivilen Zielen unterscheiden, weshalb die meisten Opfer aus der Zivilbevölkerung stammen. Handicap International unterstützt die Überlebenden dieser menschenverachtenden Waffen und setzt sich für ihre Räumung und weltweite Ächtung ein.

Nachdem seine Mutter verstorben war und sein Vater die Familie verlassen hatte, kam Phongsavath Manithong, mithilfe der Unterstützung von Handicap International, in das Augenzentrum von Vientian. In der Einrichtung für blinde Jugendliche, wurde der junge Mann angemessen versorgt und betreut. Heute ist er Mitglied der "Ban Advocates", einer von Handicap International unterstützten Gruppe von Streubomben-Opfern, die sich öffentlich für die universelle Ächtung von Streubomben einsetzt. Im März 2015 wurde die Lobbyarbeit des Netzwerks der „Ban Advocates“ erfolgreich abgeschlossen.